Bobrafting - ein olympisches Erlebnis
Vor knapp zwei Wochen war es endlich soweit. Eine Truppe internationaler Studenten aus Gjøvik und Lillehammer reiste wagemutig zur einstigen Olypiabobbahn von 1994 ca 15km nördlich von Lillehammer. Natürlich waren wir beide mit von der Partie, das bevorstehende Erlebnis durfte man doch auf keinen Fall verpassen. Plötzlich lag sie vor uns, die vereiste, schmale, angsteinflößende Bobbahn. Tage vorher malten wir uns bereits aus, wie Berni wohl in Ganzkörperkondom, Helm und Spikes unseren Spitzenbob anschieben wird und wir den Bahnrekord brechen werden. Natürlich trainierten wir vorher dafür recht fleißig. Ein Foto vom Training wurde bereits schon beim Bericht “Nun kann es sicher auf die Piste gehen” rein gestellt.
Gespannt auf den Bob, der uns zugeteilt werden sollte, folgte plötzlich die Enttäuschung! Mit einer Wanne aus Matten
sollen wir die Olympiabobbahn runter fahren?? Und das nach tagelangem, hartem Training?
…
Natürlich war das eben Gespinne:o) Aber mit solch einem “Mattenwannen-Gefährt” mit Holzplatten anstelle von Kufen, hier als Taxibob bezeichnet, hatten wir wirklich nicht gerechnet. Nichts desto trotz: man fühlte sich irgendwie etwas sicherer mit dieser Auspolsterung. Zumindest etwas sicherer als ganz unsicher. Es ist schwer zu beschreiben wie man sich vor dem Start fühlt, ein mulmiges Gefühl in der Magengegend war schon zu verspüren. Mit einem Transporter, 11 Sportlern auf den Rückbänken und zwei dieser blauen Taxibobs auf dem Hänger ging es ca 5 Minuten bergauf durch den dunklen Wald zum Start der Eisbahn. Bei Ankunft wurden die Wannen auf ihren Bestimmungsort gehieft. Wir, die bibbernde Manschaft, suchten inzwischen für jedes wertvolle Köpfchen einen passenden Helm aus. Und dann gabs kein Zurück. Die sechs ersten Fahrer wurden nacheinander in den “Bob” eingeschachtelt. Berni ganz hinten, dann ich und schließlich der Rest. Man konnte gerade so mit den Augen über den Rand luken. Als alles saß und mit einem Riemen angeschnallt war, schob Trine (die Steuerfrau) an und schon ging der Spaß los…. Das Gefühl während der Fahrt lässt sich auch sehr schwer beschreiben. Der Körper in dem Gefährt ist einfach nur den physikalischen Kräften ausgestzt. Ich habe die ganze Fahrt, meinen gesamten Körper angespannt, dagesessen und das Gefühl auf mich wirken lassen, mit ca 100km/h die Bahn runter zu rasen.
In den Kurven lag der Bob mehr als senkrecht und legte sich natürlich für den Körper völlig unerwartet (da man ja nichts sah vor lauter Anspannung) und ruckartig in die Kurven. Die Planen über den Kurven flatterten mit gespenstigem Geräuch durch den Fahrtwind des Bobs. Aber wegen der rasanten Fahrt und der Konzentration auf den Körper inmitten ungewohnter Kräfte, hoffte man einfach, das alles sei normal und wir werden schon heile ankommen.
Und das kamen wir auch. Der Bob wurde langsamer und man hörte schon die aufgeregten Stimmen der anderen “Sportler”, die es kaum erwarten konnten uns zu fragen, wie es war…
Fazit: Es waren geniale 70 Sekunden und jetzt im Nachhinein kann ich behaupten, ich habe mich sicher gefühlt:o)
Wer nun Lust bekommen hat, muss uns auf jeden Fall in Lillehammer besuchen oder mal bei http://www.bobbahn-altenberg.de stöbern, hier gibt’s auch die Möglichkeit, sogar in einem “richtigen” Bob… Viel Spaß!
