Nachtrag: 17. Mai in Norwegen

17-maiNun ist schon der Juni angebrochen, trotzdem gibt es noch einen kleinen Nachtrag zum 17. Mai - dem Nationalfeiertag in Norwegen.

Vom Hörensagen wussten wir, dass dieser Tag etwas ganz besonderes für die Norweger ist. Fast alle Norweger kleiden sich in Tracht, die sich nach Herkunft der jeweiligen Personen unterscheidet.

Für uns begann das Feiern schon am 16.Mai mit einem feinen Dinner unter den internationalen Studenten. Alle zogen ihre besten Kleider an und die Wohnheimküche war nicht mehr wiederzuerkennen. Zum Essen (eine Pasta-Kreation in spanisch-französischer Co-Produktion) gab es natürlich auch lecker Wein, der zuvor aus dem Vinmonopol besorgt wurde. Ja, ihr lest richtig, Vinmonopol. Getränke mit einem Alkoholanteil von über 4,7 % können nur in speziellen staatlichen Geschäften, dem Vinmonopol, gekauft werden. Der Staat hat das Monopol auf Alkohol. Da kann man nicht einfach mal in den Aldi gehen und ne Flascha Wein für 3,69 EUR holen. Aber nach einer Weile in Norwegen gewöhnt man sich an das “Problem” mit dem Alkohol.

dinnerWie es der Zufall wollte, war am selben Abend auch das Finale des Eurovision Song Contest, bei dem die Norweger als Favoriten galten. Der Abend ging also nach dem Dinner erstmal vor dem Fernseher weiter, wo jeder “12 Points to Norway” euphorisch gefeiert wurde. Dass der Wein sein übriges dazu beitrug darf hier auch nicht verschwiegen werden.

Auf dem Nachbarbalkon wurde ebenfalls fröhlich die neue norwegische Hymne gegrölt. Vom kollektiven Jubel berauscht ging es dann später noch in das “Nachtleben” von Lillehammer. Erst als der Morgen dämmerte kehrten wir in unser Heim zurück. Der Schlaf sollte nicht lang dauern, denn am eigentlichen Feiertag sollte es bereits um 10 Uhr morgens los gehen.

Mit leichtem Kater ging es also wieder aus dem Bett und um wieder richtig fit zu werden, nahmen wir den nächsten Bus zu Marlies Schule. Sonntags fahren eigentlich keine Busse, aber am Nationalfeiertag ist das schon mal anders. Dazu kam noch, dass man gratis mitfahren durfte. Marlies’ Schule ist die einzige, die ihren eigenen Umzug macht. Kurz nach 10 Uhr kamen wir auf dem Schulhof an, wo schon alle Klassen und ein Spielmannszug bereitstanden. Wie schon erwartet waren fast alle in Tracht gekleidet auch, die kleinsten Schüler. Ein sehr fröhliches Bild zeichnete sich ab. Alle waren heiter und eine ausgelassene Stimmung machte sich breit. Der Umzug startete mit dem Schulleiter voran. So marschierten wir durch den Ortsteil, die Straßen gesäumt von Eltern, Schaulustigen und alteingesessenen Einwohnern, die sich sichtlich freuten, wie die Tradition sich wacker hält. Ein herrlicher Anblick. Alle sind Eins. Ziel der Parade war die Fåberg Kirche, wo ein Gottesdienst mit einem älteren aber sehr fidelen Pfarrer abgehalten wurde. Er riss die Leute mit und stimmte die Lieder ein zweites oder drittes Mal an, wenn noch nicht ordentlich mitgesungen wurde.

kircheVon der Kirche ging es dann wieder zurück. Endpunkt des Umzugs war der Fußballplatz, wo schon alle Eltern und Bewohner warteten. Dort wurde noch eine Abschlussrede gehalten und die Schüler der höchsten Klasse, der 7. Klasse, die die Schule nun verlassen, brachten noch einen kleinen Kulturbeitrag über die Bühne. Für die Kleinen gab es dann noch Softdrinks, Eis und Spiele auf dem Schulhof.

umzugDieser Vormittag war ein einziges großes, fröhliches Familienfest. Jeder war glücklich. Das war schon ein erstaunliches Erlebnis. Man spürte richtig, welches Verhältnis die Norweger zur ihrem Land und ihrer Tradition haben.

Nach diesem wunderschönen Vormittag sind wir zurück zum Studentenwohnheim gelaufen, um noch in die Stadt zu gehen, wo ebenfalls noch ein Umzug, vor allem der der Russ (siehe letzten Artikel) stattfinden sollte. In der Stadt angekommen, sahen wir ein ungewohntes Bild. Menschen über Menschen drängten sich durch die Storgata (Fußgängerzone) und warteten bereits auf den Russ-Umzug. Alle waren ebenfalls wieder in den unterschiedlichsten Trachten gekleidet. Man genießt einfach den Tag und das Zusammensein. Es wird Unmengen an Softeis verspeist. Die Mülltonnen quollen mit entsprechenden Bechern über.

stadt

Nun kam der sehnlichst erwartete Umzug der aktuellen Schulabgänger. Mit ihren roten Russebil und lauter ausgefallenen und schrägen zur Schau-Stellungen zogen sie durch die Massen. Dabei wurde unter anderem auf die Schweinegrippe aufmerksam gemacht.

Nach dem kuriosen Umzug schlenderten wir noch durch die Stadt. Kurioserweise waren die meisten Leute wieder verschwunden - das Straßenbild normalisierte sich wieder. Es wurde dann wohl zu Hause weitergefeiert. Zum Abschluss dieses ereignisreichen aber auch anstrengendes Tages wurde wir noch von einem Kollegen von Marlies zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Wir nahmen antürlich dankend an und verweilten so noch ein wenig und genossen die Gastfreundschaft.

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, der klickt hier: http://norge.waweu.de/bilder/

Geschrieben am 01.06.2009 von Berni in Die Norweger. . Trackback Permanent Link

Ein Kommentar to “Nachtrag: 17. Mai in Norwegen”

  1. eli sagt:

    haste gut gemacht, sagt mama

Einen Kommentar schreiben